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Appell an Ärzte zur
Einrichtung von Jugendsprechstunden


Die Altersgruppe der 13- bis 18Jährigen ist ebenso bezaubernd wie ärztlich vernachlässigt. Sie ist besonders dankbar für intensive und liebevolle Zuwendung. Kaum eine andere Berufsgruppe hat so große Chancen, an die Jugendlichen heran zu kommen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wie ein Jugendarzt.

Wenn Sie als Arzt und nicht nur als Apparate- und Screening-Mediziner tätig sein wollen, möchte ich Ihnen aus meinen langjährigen Erfahrungen erzählen und Ihnen Mut wenigstens zur Einrichtung von Jugendsprechstunden machen.
Ich persönlich war über 15 Jahre fast ausschließlich als Jugendarzt niedergelassen.


Zur aktuellen Situation im Januar 2006


Hocherfreulich ist, wie stark jugendmedizinische und jugendärztliche Themen in der einschlägigen Literatur und auf Kongressen in den letzten Jahren zugenommen haben. Nach langer Karenzzeitwächst das Interesse der Kinderärzte an Jugendlichen und steigt ihre Sensibilität für die Verantwortung auch für diese Altersgruppe. Lange nach den Psychiatern schließen jetzt auch die Kinderärzte Jugendliche in den Namen ihrer Gesellschaft und ihres Berufsverbandes ein. Ein Meilenstein war die Einrichtung der J1. Sie bedeutet einen großen Fortschritt in der medizinischen oder gar ärztlichen Versorgung dieser Altersgruppe. Aber betrifft sie wirklich die Jugendlichen oder nur einen geringen Teil von ihnen? Jugend endet bekanntlich nicht, sondern fängt mit 13 – 14 Jahren erst an. Wer sorgt und wie für die älteren Jugendlichen und die Heranwachsenden? Pisa ist nicht das einzige Problem. Wo und wie nutzen Ärzte ihre Chancen für diese Altersgruppe? Ein guter Anfang ist getan. Es bleibt noch viel zu tun.

In den vergangenen 20 – 30 Jahren wurden zahlreiche Kinderkliniken mangels Auslastung geschlossen. Ursache war keineswegs nur der Rückgang der Geburten. Vieles kann heute in guten Praxen, also ambulant, geleistet werden, wofür früher stationäre Behandlung notwendig war. Das Ansinnen, Kliniken teilweise auch für die ohne Zweifel ärztlich unterversorgte Altersgruppe der Jugendlichen und Heranwachsenden umzurüsten, stieß zumindest in Berlin auf allgemeines Unverständnis. In Prag gab es schon in der 70er Jahren extra Kliniken für Jugendliche. Wie steht es bei uns heute? Prof. Waldschmidt, ein weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannter Kinderchirurg der FU, bezeichnete vor 15 – 20 Jahren bereits eine Intensivstation als "Horrorkabinett für Jugendliche". Hat sich daran bislang viel geändert? Auch er blieb ein einsamer Rufer in der Wüste. Pubertierende sind seelisch verletzlicher als Kinder. Jungen noch stärker als Mädchen. Es wird Zeit, daß Pädiater in Klinik und Praxis ihren Wirkungskreis erweitern.

Mehr als 700 Kinderärzte nahmen in den letzten Jahren jeweils an Jugendärztekongressen in Weimar teil. Das ist mehr als erfreulich. Das Interesse an diversen Jugend betreffende Themen war groß, die Diskussion lebhaft. Als ein launiger Kollege am Ende des Kongresses 2005 dazu aufforderte, die Hand zu heben, wer denn in seiner Praxis tatsächlich Sprechstunden für Jugendliche anbietet, schien auch der Vorstand irritiert. Schließlich meldeten sich etwa 10 - 15 Teilnehmer.

Woran liegt diese Diskrepanz zwischen Interesse, Wunsch und Wirklichkeit? Die Erkenntnis, daß auch Jugendliche besser ärztlich betreut werden müssen, ist vorhanden Was hindert Pädiater, ihr Interesse in die Tat umzusetzen? An notwendiger und wissenschaftlich geleiteter Fortbildung fehlt es nicht, auch wenn sie noch nicht den ihr gebührenden Platz einnimmt.

Die Diskussion am Ende des diesjährigen Kongresses in Weimar über zukünftig zu bearbeitende Themen war lebhaft. Viele Aufgabengebiete, die besonders ältere Jugendliche betreffen, wurden nicht benannt. Sie sind noch zu wenig in den Köpfen der Pädiater. So sprach sich die Mehrheit für die allen altbekannten Themen wie zum Beispiel Orthopädische Erkrankungen aus. Zweifelsohne nach wie vor notwendig. Aber gibt es nicht inzwischen weit wichtigere Aufgaben für Jugendärzte unserer Zeit?

Sehr erfreulich ist, dass sich die Gestalter für den

Kongress für Jugendmedizin 2006 in Weimar

nicht an der mehrheitliche Empfehlung der Teilnehmer 2005 orientiert, sondern für das harte, aber hochaktuelle Generalthema

Jugend am Rande der Gesellschaft

entschieden haben.


► Tätig als Arzt für Jugendliche - Erfahrungen und Anregungen eines Seniors

► Konkrete Vorschläge zur Einrichtung von Jugendsprechstunden

► Aktiv an Schulen – Informationsveranstaltungen für Jugendliche durch Ärzte


 
 


Teil 2 und Teil 3 und Teil 4


 

 
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